Facing Worlds in der Mittagspause: UT99 läuft jetzt im Browser

Kein Installer, kein Patch, kein Masterserver-Gefummel: Bei DOS Zone läuft Unreal Tournament direkt im Browser – mit Bots, echten Gegnern und 37 Maps.

Titelgrafik: links der Schriftzug „UT99 im Browser“ mit dos.zone/ut99, 37 Maps, 4 Modi und 0 Euro, rechts ein Browserfenster mit einem Bot, der mit der Flagge aus dem Turm von Facing Worlds rennt.
Screenshot: Unreal Tournament, CTF-Face · Grafik: SanTiTan

Seien wir ehrlich: Nicht jeder hat Lust, für eine schnelle Runde erst Unreal Tournament zu installieren, den Patch draufzuziehen, die Masterserver einzutragen und dann festzustellen, dass die Maus sich anfühlt wie 1999. Weil sie halt von 1999 ist. Ich hab's in den letzten Wochen oft genug gemacht, ich weiß, wovon ich rede.

Für alle, die das überspringen wollen, gibt es jetzt eine Abkürzung: dos.zone/ut99. Link auf, Play drücken, zocken. Im Browser. Auf dem Arbeitsrechner, auf dem Laptop im Zug, zur Not auch auf dem Handy. Ich sag's mal so: Die Mittagspause hat gerade eine neue Bedeutung bekommen.

Wer steckt dahinter?

DOS Zone ist eigentlich bekannt für alte DOS-Spiele im Browser – über 2000 Stück, dazu Half-Life Deathmatch, Quake II und III und eine Browser-Version von Heroes of Might and Magic III. Im November 2025 kam Unreal Tournament dazu, gebaut von Alexander Guryanov alias caiiiycuk und Blogger Nikita Aksenov alias Carter54. Die beiden nennen es „das erste echte Multiplayer-UT im Browser der Welt“. Bescheidenheit sieht anders aus, aber widerlegen kann ich's nicht.

Ganz neu ist die Idee nämlich nicht. Schon 2017 hatte Ryan C. Gordon – ja, der Ryan Gordon, der UT damals auf Linux gebracht hat – mit Epics Segen eine Browser-Version gebaut. Die gab es aber nur als fertige WebAssembly-Datei, ohne Quellcode, ohne Multiplayer und mit einer Absturzfreude, die selbst unseren alten Server neidisch gemacht hätte. Das DOS-Zone-Team hat genau diese Datei auseinandergenommen, die Abstürze gefixt, die komplette Netzwerkschicht ausgetauscht und eine Touch-Steuerung drangebaut. Ohne Quellcode. Respekt.

Was steckt drin?

37 Maps in vier Modi: 19 Deathmatch-Maps von Barricade bis Zeto, neun für CTF, sieben für Domination und zwei für Assault. Die Klassiker sind alle da – Deck16][, Phobos, Coret, Lava Giant und natürlich Facing Worlds, in gleich drei Varianten.

Beim ersten Start lädt der Browser rund 136 MB, danach liegt das Spiel im Cache und startet deutlich schneller. Registrieren muss man sich nicht, Werbung gibt es keine. Wer will, kann das Projekt mit einem Abo unterstützen.

Und wie spielt sich das?

Wie UT. Das ist das eigentlich Verrückte daran. Hinter dem Play-Button wartet ein Multiplayer-Hub: Links wählt ihr euren Skin und seht, wie viel los ist – laut Hub sind es gut 6000 Spieler in der Woche, live waren es bei mir zwischen 9 und 22. Rechts stehen die offenen Räume mit Map, Spielerzahl und einer Flagge, die zeigt, wo der Host sitzt. Viel Deck16][, viel Russland, ab und zu auch was aus Deutschland.

Der Multiplayer-Hub von DOS Zone: Kacheln mit offenen Räumen, je mit Map-Bild, Länderflagge, Spielerzahl und Join-Knopf, dazu eine Kachel „With Bots“.
Screenshot: dos.zone (Spielernamen ausgeblendet)

Wer keinen passenden Raum findet, macht selbst einen auf: Map aussuchen, Bots dazu (bis zu 18, Skill von 0 bis 8), Limits setzen, fertig. Private Räume nur für die eigenen Leute gibt es auch, dafür braucht ihr aber ein Konto bei DOS Zone.

Einen Haken hat das Ganze: Der Server ist kein Server, sondern der Browser-Tab von dem, der den Raum aufgemacht hat. „You are the server, do not switch tabs“, steht dann oben. Wechselt der Host den Tab, ruckelt es für alle, macht er ihn zu, ist die Runde vorbei. Wie früher, als einer im LAN „nur kurz“ den Rechner neu starten musste.

Auch via Masterserver?

Die Frage kam natürlich sofort: Kann ich aus dem Browser auf die normalen UT-Server, und tauchen die Browser-Räume in unserem Server-Browser auf? Kurze Antwort: nein, in beide Richtungen nicht. Browser dürfen kein normales UDP, deshalb läuft das Netzwerk bei DOS Zone über WebRTC und eigene Relays, unter anderem in Paris, New York und Estland. Die Räume stehen nur im Hub von DOS Zone, nicht beim Masterserver von 333networks – und damit auch nicht in unserem Server-Browser. Ich hab extra nachgeschaut: 746 UT-Server in der Liste, kein einziger von DOS Zone.

Heißt auch: Browser-Spieler bleiben unter sich. Eigene Maps, Mods, Mutatoren oder ein Clanwar auf unserem Server gehen nicht. Dafür braucht es weiter das echte Spiel.

Fazit

Ersetzt das die richtige Installation? Nein. Wer ernsthaft zocken will, mit sauberem Ping, eigenen Einstellungen und auf unseren Servern, installiert UT. Das ist seit November 2024 übrigens legal und kostenlos, und wie das geht, steht auf unserer Mitmachen-Seite.

Aber für die Mittagspause, das Hotelzimmer oder den Kumpel, der „dieses UT“ mal sehen will, ohne gleich was zu installieren? Perfekt. Und vielleicht ist genau das der Weg, auf dem der eine oder andere zurück in die Arena findet.

Wie ihr reinkommt, welche Räume sich lohnen und was auf dem Handy geht, steht in unserem Forum-Thread „UT99 im Browser – Anleitung und Tipps“.

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